Bald ist Ostern, dann darf Tina wieder zu ihrer Oma fahren. In dem kleinen Nest, am Rande der Welt, wie ihr Vater immer sagt, ist die Zeit stehengeblieben. Es gibt noch Burgen und Drachen und Menschen, die sich sehr gut daran erinnern können, wie das damals war, als es noch Zauberer gab.

Alles Humbug, sagt ihr Papa, aber der hat einfach keine Ahnung. Wenn sie mal groß ist, will Tina Bücher schreiben, denn ihr fallen immer super Geschichten ein. Meistens geht es um Drachen, Burgen, geheime Keller, Schluchten, Ritter und natürlich Helden. Tina ist ein großer Held, das steht fest, jedenfalls in ihren Geschichten. Im echten Leben ist Tina eher schüchtern.

Alles Kinderkram ...

Im Moment steht sie vor der Tür zum Klassenzimmer, denn sie hat mal wieder den Unterricht gestört. Mathe ist aber auch gar so öde. Alles Kinderkram ...

 

Da steht plötzlich der Direktor neben ihr und fragt: "Nanu, schon wieder keine Lust zum Unterricht?"

"Ehm, ja ...
Mathe ist total langweilig und es macht überhaupt keinen Spass!"

"Und du kannst schon alles?" fragt der Direktor.

"Klar doch, das ist alles Kinderkram! Das ist doch alles ganz leicht."

"Was hast Du denn für eine Note in Mathematik?"

"Eine Eins."

"Und hinter dem Komma?"

"Nichts!"

"Wie nichts?"

"Na, eine Null."

"Du hast nur Einsen in Mathe?"

"Ja, ich bin ein Streber, sagen die anderen Kinder. Aber es ist nichts wert, wenn die gut im Kopf rechnen kannst. Fussballspielen, ja das ist etwas Besonderes."

Aber da darf Tina  oft nicht mitspielen, nur wenn die Anzahl der Spieler ungerade ist, und keiner den Schiedsrichter machen will. Dabei ist sie ein ziemlich guter Torwart, aber sie ist halt ein Mädel, und die Jungs spielen  lieber unter sich.

Sie würde sich jetzt so gerne in Luft auflösen, denn der Direktor kennt ihren Papa gut, und wenn der hört, dass sie schon wieder den Unterricht gestört hat, dann gibt es Ärger. Ihr Papa ist nämlich Lehrer.

 

"So so, Mathematik ist also zu einfach für dich, du willst lieber Abenteuer erleben und mit Drachen kämpfen?" fragte der Direktor.

Ja, genau, das wäre das Richtige für mich, dachte Tina. Aber sie schwieg, denn das war sicher eine Falle. Schließlich kannte der Direktor ihren Papa und der hatte sicher von ihren "Spinnereien" über Drachen erzählt.

Keine Lust auf Abenteuer?

"Keine Lust auf Abenteuer?" fragte der Direktor noch mal.

Tina schwieg eisern. In diese Falle würde sie nicht tappen, da könnt ihr lange warten ...

"Fährst du in den Osterferien nicht zu deiner Oma? Dort muss irgendwo die Matheburg sein, dort wird der Schlüssel zur Weisheit von einem Drachen bewacht. Wenn du dir diesen Schlüssel holst, bist du sicher für alle ein Held."

Tina schwieg weiter, denn das war nur ein Trick.

Nach Mathe war Musik. Musik ist ein tolles Fach, leider ist der Lehrer nicht so toll, naja. Danach war Schluß und Tina konnte nach Hause gehen. Ob der Direx sie beim Papa verpetzen würde? Machen Erwachsene sowas? 

Glück gehabt, der Direx hatte sie nicht verpetzt, es gab also kein Computerverbot. Am Computer konnte sie ihre Welten bauen. Ok, Drachen gab es keine, auch keine Menschen, die waren zu schwierig, aber eine Burg gab es schon, mit einem Schlagzeugkeller. Tina wollte unbedingt Schlagzeug lernen, aber das macht einfach zuviel Krach. In einer Stadtwohnung geht das wirklich nicht.

An dem Schlagzeug arbeitet sie gerade, die große Trommel und die Snare waren schon fertig. Jetzt waren die TomToms dran und dann brauchte sie auch noch eine Fußmaschine, die mußte sie sich aber vorher noch mal im Musikgeschäft am Bahnhof genau ansehen.

***

Das mit der Matheburg ging ihr irgendwie nicht aus dem Kopf. Bei Ihrer Oma gab es ganz in der Nähe einen Drachenstein und eine Drachenschlucht, vielleicht gab es die Burg ja wirklich? Aber Tina der Drachtöter, das konnte sie sich nicht vorstellen. Sie mochte Drachen, aber vielleicht konnte man ja mit dem Drachen reden? Sie hatte eine Menge Geschichten über Drachen gelesen, und die konnten fast immer reden. Außerdem sagte ihr Vater immer, dass Gewalt keine Lösung ist. Allerdings konnte sie ihn nicht fragen, denn wenn der hören würde, dass es um Drachen ging ...