Bibliothekar Herr Grübel

Herr Grübel arbeitet schon seit Jahren in der kleinen Stadtbibliothek am Rande der Welt. Auch wenn hier die Zeit scheinbar langsamer läuft als in der Stadt, so kommen doch immer weniger Kinder in die Bibliothek. Die Kinder sitzen heute lieber vorm Fernseher oder auch vor dem Computer. Dies ärgert Herrn Grübel sehr.

Er war füher sehr gerne Bibliothekar gewesen, aber jetzt machte es ihm keinen richtigen Spass mehr.

 

Früher mal war der Bereich mit dem Märchbüchern sein liebster Platz in der Bibliothek. Als er noch jung war, kamen noch sehr viele Kinder, auch die, die noch nicht lesen konnten. Dann hat er ihnen aus den alten Märchenbüchern, den großen schweren aus der Geheimabteilung, vorgelesen.

Der Name Geheimabteilung steht immer noch in der Ecke über den Regalen mit den alten sehr wertvollen handgeschriebenen und in Leder gebundenen Märchenbüchern. Diese Bücher darf man auch nicht ausleihen. Die muss man hier lesen. Dazu gibt es in der Ecke auch zwei kleine Tische mit je 2 Stühlen.

***

Es war schon sehr lange niemand mehr in dieser Ecke gewesen. Die Regale und Tische waren auch schon ein wenig eingestaubt, er müßte da vielleicht mal wieder sauber machen ...

Das mache ich mal sofort, sonst vergesse ich es wieder, dachte Herr Grübel, "nanu was macht Du denn hier?" fragte er Gap ganz verwundert.

Gap wußte nicht genau wo er anfangen sollte, außerdem hatten ihn alle vor Herrn Grübel gewarnt. "Der mag keine Kinder" hatte Thomas ihm erklärt.  Thomas hatte mal beim Fußballspielen versehentlich das Fenster der Biblithek getroffen. Das Fenster war auf, die Scheibe war nicht mal kaputt gegangen, aber es hatte eine Menge Ärger gegeben.

Trotzdem jetzt war er einmal hier. "Ich suche nach einen Zauberer mit einem blauen Umhang mit Sternen drauf, der muss hier in einem der alten Märchenbüchern sein"  sagte Gap. "Ah, du meinst sicher den großen Zauberer Rodgip. Ja der ist aus dem großen Buch der Zauberer. Das kannst du aber nicht mitnehmen, das musst du hier lesen. Ich brauche dann deinen Bibliotheksausweis", sagte Herr Grübel. Gap ganz kleinlaut "Ich habe keinen".

"Wie, du hast keinen Bibliothekausweis?"

"Wir sind gerade erst hergezogen."

"Klar, kurz vor Ende des Schuljahres, das kannst Du mir nicht erzählen" erwiderte Herr Grübel schon etwas verärgert, denn das mochte er gar nicht, wenn er angelogen wurde. Da interessiert sich endlich mal jemand für die alten Märchen, und dann war das ausgerechnet so ein Lügenbold.

"Wir sind in den Winterferien hergezogen, aber ich hatte bisher einfach keine Zeit" sagte Gap.

"Ach, Du bist der große Bruder von Lilli, warum sagst Du das nicht gleich?". Das war also Gap, der tollste Bruder der Welt, hatte Lilli gesagt. Er hatte Lilli und ihre Mutter vor einigen Wochen beim Bäcker getroffen und sie hatte ihm erzählt, dass sie hier neu sind. Als er ihr gesagt hatte, dass er Bibliothekar in der Bibliothek nebenan sei, hatte sie ganz große Augen bekommen und  ihm Löcher in den Bauch gefragt, wegen der Figuren an der Hauswand der Bibliothek.

Ja Lilli, die würde sicher zum Lesen herkommen, wenn sie nächstes Jahr in die Schule kommt, da war er sich sicher.

"Na, dann will ich mal eine Ausnahme machen, du kannst schon mal einen Blick reinwerfen in das Buch, aber du musst den Antrag für den Bibliotheksausweis von deinen Eltern unterschreiben lassen und beim nächsten mal mitbringen" sagte Herr Grübel, jetzt schon etwas freundlicher.

***

Gap nahm sich das dicke in Leder gebundene Buch und setzte sich an einen der zwei Tische.

Er mußte eine ganze Menge Seiten lesen bis er ihn endlich gefunden hatte. Ja, das war er Rodgip, der große Zauberer. Es gab sogar eine Zeichnung von ihm. Genauso hat er ausgesehen, dachte Gap.

Es folgten eine Menge lateinische Namen, so vermutete Gap, für die vielen Fähigkeiten des Zauberers und auch jede Menge langweiliger Kram über Zahlenrätsel. Dann kam endlich mal ein Satz, mit dem man etwas anfangen konnte.

"Rodgip, der große Zauberer vom Drachenstein, hat mehrere Jahre als Lehrer der magischen Zahlenkünste an der Zauberschule auf der Burg Winkelstein unterrichtet, bevor er sich auf seine Reise machte." stand da.

Von einer Burg Winkelstein hatte Gap noch nichts gehört, aber den Drachenstein mußte es irgendwo geben. Den Namen Drachenstein hatte er schon mal auf einem der Wegweiser gelesen, als er mit seinen Eltern und seiner Schwester wandern war.

Auf welche Reise sich der Zauberer begeben hatte, dazu war nichts beschrieben. Auch gab es in dem Buch keinen Hinweis auf die Mahteburg. Aber Gap war sich ziemlich sicher, dass es sich um die Burg Winkelstein handeln müßte.

Es war schon spät geworden, er könnte morgen ja nochmal wiederkommen. Er verabschiedete sich von Herrn Grübel und nahm auch den Antrag für den Ausweis mit. Herr Grübel hatte schon alles ausgefüllt. Sein Vater mußte nur noch unterschreiben.

weiter